Die rollende Coronahilfe des Ortsvereins Marl

Der Weg von Marl nach Recklinghausen kann sehr weit sein, wenn man selbst nicht (mehr) Auto fährt oder unbekannte Strecken am Steuer scheut.

Text: Birgit Frey, Bild: Birgit Frey

Für den, der dann niemanden in der Nähe hat, der einen chauffiert, rückt die lang ersehnte Corona-Impfung womöglich in weite Ferne. Ein neu geknüpftes Netzwerk in Marl schafft Abhilfe: bei Anruf Impftaxi!

Wer in Marl die Nummer 99-2021 wählt, landet bei der Stadtverwaltung. Mitarbeiter*innen nehmen die Wünsche nach einem Fahrservice zum und bei Bedarf auch einer Begleitung vor Ort im Impfzentrum Recklinghausen entgegen. In diesem ersten Gespräch geht es nicht nur um Termine, sondern auch um pragmatische Dinge: Muss ein Rollator transportiert werden? Fällt das Einsteigen in einen Pkw oder in einen Bulli leichter? Geht es nur um einen Taxi-Dienst oder auch um Hilfestellung vor Ort?

Danach wird die Bitte in die Runde der 100 Ehrenamtlichen weitergegeben, die sich bereit erklärt haben, diesen Dienst zu übernehmen. Ein großer Pool an Menschen hat sich da zusammengefunden: Vertreter*innen der Evangelische Stadt-Kirchengemeinde, die Katholischen und Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden, die Alevi-Bektasi-Gemeinde, die Fatih-Moschee, der Caritas-Verband sowie der Stamm Christ König der Pfadfinder St. Georg. Selbstverständlich mit dabei ist auch der AWO Ortsverein Marl mit sechs Fahrer*innen: Vorstandsmitglieder Heinz Schmidt, Dieter Masuch, Sylvia Sakowski, Britta und Dennis Segbers sowie Klaus Schäfer.

„Mit dem Angebot zeigen wir älteren Menschen in unserer Stadt, dass die kommunale Gemeinschaft für sie da ist, wenn sie Hilfe benötigen“, sagte Bürgermeister Werner Arndt, der die Initiative zu der Aktion ergriffen hatte. „Mit dem neuen Service möchten wir darüber hinaus ein Zeichen der Zuversicht in schwieriger Zeit setzen“, so Arndt. AWO-Ortsvereinsvorsitzender Arvid Weber pflichtet ihm zu: „Bei uns sind alle Feuer und Flamme, sich zu engagieren.“


Es ist am Ende nicht auszuschließen, dass die Hilfsbereitschaft größer ist als der tatsächliche Bedarf an Hilfe. „Doch auch wenn sich nur wenige melden, hat sich der Aufwand gelohnt“, ist Heinz Schmidt überzeugt und erzählt von einer alten Dame, die er in den vergangenen Tagen bereits in dem weißen AWO-Bus kutschiert hat. „Ihre Dankbarkeit und Freude waren einfach übergroß. Es war wunderbar, das zu erleben.“