Die Verbindung nicht verlieren

In der Kita Rahestraße in Lengerich haben sich die Erzieher*innen etliches während der Corona-Lockdowns einfallen lassen, um mit den Kindern in Kontakt zu bleiben.

Text: Sophia Schalthoff
Kita-Leitung Marion Jansen inmitten spielender Kinder. Foto: Birgit Frey

März 2020. Auf einmal ist die Kita geschlossen. Der erste Lockdown und nahezu alle Kita-Kinder müssen zu Hause bleiben. Da, wo es Tage vorher noch lebhaft, laut und wuselig zuging, ist jetzt Stille eingekehrt. „In der ersten Woche haben wir ganz viel aufgeräumt. Aber dann haben wir uns gefragt: Was können wir für die Kinder tun?“, erzählt Marion Jansen. Sie leitet die Kita Rahestraße in Lengerich. Das Team setzt sich zusammen, Erzieher Stefan Wockenfuß hat eine Idee. Er hat von einer Kita nahe Mainz gehört, die ihren Kindern Videos schickt. „Wir haben gleich gedacht, das ist die Lösung, um mit unseren Kindern in Verbindung zu bleiben“, sagt Stefan Wockenfuß.

Insgesamt 66 Videos haben die Erzieher:innen produziert. „Wir haben Fingerspiele gefilmt, gebacken, Verstecken in unseren Räumlichkeiten gespielt, gesungen“, erzählt Erzieherin Saskia Wanke und erklärt: „Wir wollten einfach, dass die Kinder so viel wie möglich Bekanntes aus ihrer Kita sehen können.“ Die Verbindung zu den Kindern nicht zu verlieren, aber vor allem auch die Bindung der Kinder zur Einrichtung trotz der „Entfernung“ zu stärken, das war das große Ziel. Ein- bis zweimal in der Woche wurden die Kinder und ihre Eltern von ihren Erzieher:innen angerufen. „Wir wollten die Kinder einfach im Blick behalten, gerade in Familien, die mehr Hilfe benötigen“, sagt Marion Jansen.

Einige Veränderungen bei den Kindern stellten die Erzieher:innen der Kita nach der Wiedereröffnung dann doch noch fest. „Kinder, die zu Hause kein Deutsch sprechen, hatten einiges verlernt“, erzählt Saskia Wanke. Die Einschränkungen durch Corona wie etwa der Mund-Nasen-Schutz störte die Kinder kaum. „Die Kinder haben gelernt, aus den Augen zu lesen“, erklärt Theresa Reiser. Und noch ein positiver Aspekt ist aufgefallen: „Dadurch, dass die Eltern lange nicht die Einrichtung betreten durften und ihre Kinder an der Eingangstür abgegeben haben, sind viele Kinder viel selbstständiger beim An- und Ausziehen geworden“, berichtet Stefan Wockenfuß.

„Wirklich schön ist, dass wir alle in der Kita – Erzieher:innen, Eltern und Kindern – mehr zu einander gefunden haben. Die Eltern sehen unsere Arbeit mit ganz anderen Augen und der Kontakt ist oftmals auch viel intensiver geworden, weil wir uns mehr austauschen“, sagt Marion Jansen. Ein Umstand, der auch nach der Corona-Pandemie anhalten soll.

INFO

Kita Rahestraße
Marion Jansen
Rahestraße 24
49525 Lengerich
Telefon: 05481 98767

Das Team der Kita Rahestraße (v. l.): Marion Jansen, Saskia Wanke, Stefan Wockenfuß, Theresa Reiser und Olga Reifschneider. Foto: Birgit Frey

3 Fragen an ...

1. Welche Risiken sind in Bezug auf das Kindswohl durch die Corona-Pandemie entstanden?
Beim ersten Lockdown haben die Erzieher:innen von einem auf den anderen Tag die Kinder nicht mehr sehen können. Und auch die Eltern sind aus dem Blickfeld geraten. Das hat uns natürlich besorgt, vor allem bei Familien, die auf Unterstützung angewiesen sind.

2. Was haben Sie und die Erzieher:innen in den Einrichtungen konkret tun können?
Wir haben die Gefährdungseinschätzungen, die wir eigentlich vor Ort persönlich durchführen, telefonisch durchgeführt und die Kitas dabei unterstützt, Ideen zu entwickeln, wie sie vor allem mit den Kindern in Kontakt kommen können, um die sie sich Sorgen machen. Außerdem haben wir die Kitas dabei unterstützt, in Zusammenarbeit mit den Jugendämtern, Kinder in den Kitas unterzubringen, die eigentlich nicht hätten kommen dürfen, weil die Eltern nicht systemrelevant arbeiten, die aber dennoch einen dringenden Bedarf an Betreuung hatten, weil die Kinder sonst zu Hause keine gute Versorgung gehabt hätten.

3. Wie können wir Kindern helfen, noch bevor es zu Krisen kommt?
Es ist wichtig, mit Kindern immer wieder über ihre Rechte zu reden. Sie zu stärken. Zu erklären, was dürfen Mama und Papa und andere Personen, was ist nicht in Ordnung. Wir müssen Kindern deutlich machen, welchen Anspruch sie haben, zum Beispiel auf eine gewaltfreie Erziehung, das Recht auf Versorgung oder das Recht auf Bildung.

Dieser Artikel stammt aus unserem Magazin „AWO erleben!“. Die gesamte Ausgabe steht hier zum Download bereit.

Melanie Havermann, Fachdienst Gewaltprävention und Kinderschutz. Foto: Meike Bräutigam